Der Papst ist angepisst und mahnt TITANIC ab

Das Cover der Juli-Ausgabe des Satiremagazins ziert den grüßenden Papst Benedikt XVI. mit einem großflächigen gelben Fleck auf dem weißen Gewand. Die Fotomontage trägt in Anlehnung an die Spitzelaffäre im Vatikan den Titel „Die undichte Stelle ist gefunden!“. Hiergegen geht das Oberhaupt der katholischen Kirche nun vor.

Wie TITANIC heute per Pressemitteilung bekannt gab, sieht der Papst sich durch das Titelblatt in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt und hat die Angelegenheit an seine Anwälte übergeben. TITANIC-Chefredakteur Leo Fischer erklärte, es handele sich um ein Missverständnis. Das Cover zeige einen Papst, der nach der Aufklärung der Spitzelaffäre feiere und im Überschwang ein Glas Limonade über seine Soutane verschüttet habe.

Nach zahllosen Prominenten, die sich von TITANIC durch den Kakao gezogen fühlten, geht nun erstmals auch ein Papst gegen das Magazin vor.

Nach Informationen von TITANIC beabsichtige man dort derzeit nicht, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Man darf also gespannt sein, ob es zu einer gerichtlichen Klärung kommen wird.

Die Pressemitteilung der TITANIC gibt es hier.

UPDATE (10.07.2012; 19:00):
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat der Papst bereits eine einstweilige Verfügung vor dem Landgericht Hamburg gegen TITANIC erwirkt. Die Sache bleibt spannend: der Chefredakteur von TITANIC teilte der Süddeutschen mit, dass man bereit sei, in dieser Sache „durch alle juristischen Instanzen zu gehen“.

UPDATE (30.08.2012):
Das Landgericht Hamburg teilte in einer Pressemitteilung mit, dass der Antragsteller (Papst Benedikt XVI.) seinen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung zurückgenommen hat (324 O 406/12). Damit ist das Verfahren beendet.

Wenn Sie in den Medien oder in Sozialen Netzwerken verunglimpft werden, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Tobias Kohl, LL.M.
Rechtsanwalt

10 Kommentare

  1. katharina am 10. Juli 2012

    Ich denke, der Papst hat das Recht, sich gekränkt zu fühlen.
    Auch wenn er in der Kirche in erster Linie eine Funktion ausübt, bleibt er doch ein Mensch mit Rechten.
    Zynismus verletzt oft die Gefühle von Personen und darüber kann ich nun wirklich nicht lachen.
    Es ist wichtig, dass ein Magazin das machen darf, wegen der Pressefreiheit, das heißt jedoch nicht, dass es das tun muss.

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  2. katharina am 10. Juli 2012

    ergänzend: wahrscheinlich wäre es das Beste, wenn der Karikaturist und der Papst sich gemeinsam mit einem Mediator unterhalten würden, um den Streit aus der welt zu schaffen 😉

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  3. r.nuwieder am 10. Juli 2012

    Primär wäre es das Beste, wenn sich der Papst nicht päpstlicher als … oh Moment.

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  4. hagen am 10. Juli 2012

    Es sollte kein Mediator notwendig sein, nur weil der sich Papst wegen ner gelben Kutte ins Hemd macht. Er liesz schlieszlich die Enthueller der Skandale, die den unglaublichen, systematischen Machtmisbrauch im schwarzen Herz dieses Kultes aufzeigten, jagen. Das darf man zwar als Oberhaupt des Vatikans, aber das sollte man doch nicht tun.

    Danke Titanic fuer Satire auf hohem Niveau!

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  5. krassdaniel am 10. Juli 2012

    Es passt auf jeden Fall sehr in das übliche Bild, das man inzwischen von der Katholischen Kirche entwickelt hat.

    Und natürlich kommt die EV aus Hamburg… Immerhin weiß man also auch im Vatikan, wo man als Promi wohlwollende Medienrichter findet.

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  6. Andreas Moser am 11. Juli 2012

    Bedenklich finde ich die vermutliche Strategie des Vatikans: http://mosereien.wordpress.com/2012/07/11/papst-benedikt-xvi-gegen-titanic/ – Denn es muß denen ja bewußt sein, daß sie damit das Titelbild erst bekannt machen. Deshalb vermute ich, daß es eher darum geht, grundsätzlich härter gegen Kirchenkritiker vorzugehen. Und die CSU springt schon auf den Zug auf. Peinlich.

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  7. Mike am 11. Juli 2012

    VIel interessanter ist doch, wie hat der Papst davon Wind bekommen? Hat er ein Titanic Abo? Surft er regelmäßig auf die Titanic Webseite?

    Außerdem: Eine bessere Werbung hätte das Magazin nicht bekommen können.

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  8. […] die Satire-Verbrecher der TITANIC zu sprechen. Der Rechtsanwalt Tobias Kohl titelt in seinem Blog: Der Papst ist angepisst und mahnt TITANIC ab. Hintergund der Geschichte ist das Cover der aktuellen TITANIC-Ausgabe, des dem Pontifex schwerlich […]

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  9. Jochen am 12. Juli 2012

    Die mediale Aufmerksamkeit, die das Magazin in Moment bekommt ist enorm und wird sich sicherlich positiv auf die Verkaufszahlen auswirken. Dass der Pappst rechtliche Mittel gegen das Satire-Magazin unternommen hat finde ich einfach nur lächerlich. Auch als Oberhaupt einer Weltreligion sollte man in der Lage sein über sich selbst zu lachen, kann er das nicht, frage ich mich, ob er wirklich den richtigen Job gewählt hat. Hoffen wir nur, dass sein Ego nicht zu doll angekratzt ist 🙂

    Quelle: Reuters

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